Auf was sollte ich bei Naturkosmetik achten?

Das Thema Körperpflege ist mindestens genauso komplex wie Raketenwissenschaft, denn Haut ist nicht gleich Haut und die Menge an unterschiedlichen Produkten ist endlos. Viele pflegen sich mehrmals täglich mit unterschiedlichsten Cremes, Duschgels, Seifen und Lotions. Die Mehrheit der Verbraucher setzt zwar noch auf Procter & Gamble oder anderem Plumperquatsch, Naturkosmetik hat sich aber über die Jahre einen stattlichen Platz in den Badezimmerschränkchen ergattern können. Zurecht.

Doch nicht nur bei Lebensmitteln lauert oft ein dicker, fetter Etikettenschwindel. Wer im Siegel- und Begriffsjungle nicht den Überblick behält kann seiner Haut über die Jahre hinweg schaden. Worauf sollte man also achten?

Natur drauf heißt nicht unbedingt auch Natur drin

Ökotest hat sich die Mühe gemacht und die Inhaltslisten der verschiedenen “grünen” Kosmetika geprüft. Das Ergebnis: In der vermeintlichen Naturkosmetik steckten bis zu 60% chemische und künstliche Zutaten. Diese sind teilweise umstritten und/oder bedenklich, wie beispielsweise Konservierer, die krebsverdächtiges Formaldehyd abgeben können, und PEG/PEG-Derivate, die in echter Naturkosmetik nicht erlaubt sind.

Wer nicht nur hübsche Blüten und Kräuter auf der Verpackung, sondern auch auf der Haut haben möchte, sollte deshalb auf die offiziellen Siegel achten. Geschützte Begriffe können Sicherheit beim Einkauf geben. Dazu zählen unter anderem „kontrollierte Naturkosmetik“, „Ecocert“ oder „Natrue“.

Naturkosmetik ohne Tierversuche

Ähnlich verarscht kann man sich auch in Sachen Tierversuche fühlen. Dass immer mehr Menschen darauf achten, dass Produkte nicht an Tieren getestet wurden, veranlast einige Hersteller gerne dazu mit bedeutungslosen Worthülsen zu werben. „Dieses Produkt wurde nicht an Tieren getestet“ beispielsweise sagt nichts darüber aus, ob nicht vielleicht die Inhaltsstoffe im Produkt an Tieren getestet wurden. Genauso sinnfrei wie werbewirksam sind auch Aussagen wie „Dieses Unternehmen testet nicht an Tieren“. Das schließt nämlich nicht aus, dass andere Unternehmen beauftragt wurden, das Produkt an Tieren zu testen.

So. Und jetzt zur guten Nachricht. Die Tierrechtsorganisation PETA hat nämlich eine schmucke Liste an Herstellern, die sich wirklich daran halten, was auf den Etiketten versprochen wird. Wer hier einkauft, kann sich sicher sein, dass für Entwicklung und Produktion keine Tiere zu Schaden gekommen sind. Jedenfalls nicht in Tierversuchen.

4 Gedanken zu “Auf was sollte ich bei Naturkosmetik achten?

  1. Leider können sich viele der kleineren NaturkosmetikherstellerInnen keine Siegel leisten. Da hilft dann nur, genau auf die Liste der Inhaltsstoffe zu schauen und selbst zu hinterfragen, was drin sein sollte und was nicht.

  2. Genau Waldflussel! Und es gibt extreme viel Marken die sich Naturkosmetik nennen, die aber keine Naturkosmetik sind!!! Siegel und INCI immer genau anschauen!

  3. Leider ist die Peta-Liste auch nicht der Weisheit letzter Schluss. So stehen unter anderem Firmen wie “The Body Shop” drauf, die zu Konzernen (hier: L’Oreal) gehören, die ihrerseits sehr wohl Tierversuche durchführen (siehe hierzu auch http://de.wikipedia.org/wiki/The_Body_Shop#Kritik ). Auf der anderen Seite enthält die Liste nicht alle tierversuchsfreien Hersteller (ich vermisse z.B. Martina Gebhardt, Living Nature und Santaverde).

    Weitaus strengere Kriterien als bei allen anderen mir bekannten Labels legt der IHTK an. Eine Liste der Unternehmen findet sich unter http://ihtk.de/_start.html

    Bei den Naturkosmetik-Siegeln fehlen noch das sehr strenge demeter-Label und das französische Cosmebio. Auch wurde leider nicht auf den Bio-Anteil eingegangen, der trotz des selben Siegels zwischen verschiedenen Produkten erheblich schwanken kann. Ebenso verrät einem kein Label (außer demeter) etwas darüber ob die verwendeten Öle kaltgepresst sind oder nicht. Selbst auf der INCI-Liste findet man diese Info nicht.

    Waldfussel hat natürlich mit ihrem Einwand recht. Letztlich hilft nur selbst alles nachzuprüfen. Das ist auch das was wir unseren Kunden immer raten. Und da wir selbst so kritisch sind, sieben wir stark aus und versuchen die vielen Feinheiten zu vermitteln.

    Viele Grüße aus Mainz
    Die Naturdrogerie

  4. Die 3 stufige Natrue Zertifizierung finde ich persönlich eine ganz gute Lösung.
    In punkto “green washing” von Naturkosmetik war auch letztens ein recht ausführlicher Artikel in der ÖkoTest. Gerade Body Shop schneidet da gar nicht gut ab.

    Sehr schön, dass dies auch hier im Blog thematisiert wird!